
Anfangs haben wir ein mulmiges Gefühl, unter freiem Himmel zu schlafen. Said, unser Beduinenführer, hat zwar einen traumhaften Platz zwischen Sanddünen gesucht. Aber wer weiß, ob nicht nachts auch Skorpione in unseren Schlafsack wollen? Said sagt, wir sollen uns keine Sorgen machen. Dank des gigantischen Sternenhimmels über uns vergessen wir bald alle Ängste. Eine Nacht in der Rub al-Chali, der größten Sandwüste der Welt, ist ein kosmisches Erlebnis mit Milliarden glitzernden Sternen. Und bringt angenehme Abkühlung: Nach den 35 Grad am Tag sind die 6 Grad in der Nacht sehr willkommen. Die Wüste liegt im Süden Omans in der Provinz Dhofar, aus der auch die Weihrauch-Bäume stammen. Der Weihrauch-Duft scheint über dem ganzen Sultanat Oman zu liegen. Passend zu den Ornamenten der Bauwerke, den Kaftanen der Bevölkerung und den Dromedaren, die hier wirklich noch Transportmittel sind, gehört dieser Duft zum Flair des Landes.

Kaum kleiner als Deutschland ist Oman, im Südosten der Arabischen Halbinsel am Arabischen Meer gelegen, hat aber nur 2,5 Millionen Einwohner. Fast die Hälfte davon lebt in der Hauptstadt Maskat. Hier tauchen wir in eine geheimnisvolle, quirlige Orient-Welt ein. Wir bestaunen den Palast des Sultans, Alleinherrscher über Oman. Hinter den bunten Fenstern erwartet man noch Harems-Damen, auch wenn wir keine zu Gesicht bekommen. Wir sind überwältigt von der 2001 erbauten, schneeweißen Sultan-Qaboos-Grand-Moschee mit ihren Türmen und Minaretten, den Spitzbögen, der mächtigen gold verzierten Rundkuppel. Wir genießen das Treiben auf einem alten Basar, wo man nach wortreichen Verhandlungen herrliche Teppiche, Gewürze oder Elektrogeräte kaufen kann.

Dann zieht es uns wieder in die Einsamkeit. Mit einem Leih-Jeep fahren wir in die Berge, um uns Jebel Shams anzusehen, eine tiefe, zerklüftete Schlucht, die auch der omanische Grand Canyon genannt wird. Wir wandern am Rand der Abbruchkante entlang und freuen uns über die himmlische Stille, die höchstens der Schrei eines Adlers unterbricht. Bei der Weiterfahrt taucht aus der staubigen Steinlandschaft plötzlich ein leuchtend grünes Fleckchen Erde auf: die Oase Bilad Sayt. Mit ihren Dattelpalmen, den terrassenförmigen Reisfeldern und den in die Felsen gebauten Häusern ist sie fast wie eine Fata Morgana. Nach der Wüste wollen wir an den Strand. Über 1.000 Küstenkilometer haben wir zur Auswahl. Meist ist man ganz allein mit Sand, Sonne und sanften Wellen. Nur Riesenschildkröten tapsen vorbei, freundlich und friedlich wie alle hier in Oman.
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